Ruderfreunde „Hände weg!“
Akademische Ruderriege an der Georg-August-Universität Göttingen e. V.

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27. Juni 2011

Ruderwanderfahrt auf der Müritz

(von Tobias) Endlich wieder Ruderwanderfahrt! Ziel: Die Mecklenburgische Seenplatte. Die erste Gruppe fährt bereits am Donnerstag gegen 16 Uhr vom IfL zunächst nach Wilhelmshausen, um die Boote abzuriggern und auf den Hänger zu laden. Dann geht es über Göttingen, Leipzig und Berlin nach Plau. Gegen halb zwei Uhr nachts kommen wir endlich in der (n)ostalgischen Jugendherberge an, gar nicht so leicht als solche von der Straße zu erkennen, da lediglich ein schlichtes Schild mit der Aufschrift „Herberge“ die Einfahrt anzeigt. Felix hat nicht nur schon alle Betten bezogen, sondern auch ein Gute-Nacht-Bier eingekauft – gelebte Kameradschaft und Geselligkeit. Die Nacht ist recht kurz, da die in der Jugendherberge übernachtende Mittelstufenklasse ab halb sieben Lärm wie auf dem Hühnerhof macht. Die Schüler haben auch bereits den größten Teil des Frühstücksbuffets geplündert, aber wir werden alle satt und sind gestärkt für die anstehende erste Etappe von etwa 32 km. Eric bringt sein Schlafdefizit in Ordnung, das Frühstück ist aber komplett leer und abgeräumt, als er erscheint. Doch dankbar für den unerwarteten netten Flirt am Morgen mit dem braungebrannten Ruderer tischt ihm die Herbergsmutter einen großen Teller mit Brötchen, Wurst und Käse und reichlich Kaffee auf. Während die erste Gruppe um halb elf nach dem Auschecken beim gemütlichen Vormittagsbier sitzt, kommt schon die Nachricht, dass die zweite Gruppe, die um 6 Uhr morgens in Göttingen losgefahren ist, fast in Plau ist. Also auf zu einem kleinen Stadtrundgang durch die schöne Altstadt. Danach werden die Boote am Plauer Hafen aufgeriggert und ins Wasser gelassen. Bei zwölf Teilnehmern übernehmen jeweils zwei den Fahrdienst, transportieren das Gepäck mit dem Bus und besorgen die Einkäufe, haben also auch die besonders wichtige Aufgabe, die ausreichende Versorgung mit Getränken sicherzustellen. Von Martin kommt die super Idee, dass der Fahrdienst mittags wechselt, so dass jeder am Tag mit dem Rudern drankommt.

Beide Boote aufm großen See

Unsere Tour startet mit einem Stopp an der Fischbude nach etwa 500 Metern. Dann geht es über den Plauer See zur verspäteten Mittagspause in Malchow. Wir bekommen einen ersten Eindruck vom möglichen Wellengang auf großen Binnenseen, ideal um das Hochscheren zu verinnerlichen. Bei herrlichem Sonnenschein machen wir die erste Badepause auf dem Fleesensee – „Es ist ein Traum!“ wird zum Leitspruch der Wanderfahrt. Da wir noch einige weitere Badepausen genießen, erreichen wir erst nach neun unser Etappenziel: Waren, die größte Stadt der Region. Wir bauen rasch unsere Zelte auf und fahren mit dem Bus in die Altstadt. Leider ist es mittlerweile nach zehn, so dass fast alle Restaurants bereits Küchenschluss haben, aber wir finden doch noch ein Lokal. Da wir dort ordentlich Geld lassen, hatten wir auf Felix höfliche Frage „Welchen Kurzen bekommen wir noch auf Kosten des Hauses“ eigentlich eine positive Antwort erhofft. Auch ein nächtliches Eis bleibt uns verwehrt und so freuen sich alle darauf, in ihre Schlafsäcke zu fallen.

Ankunft am Campingplatz

Nach einem leckeren Frühstück geht es wieder aufs Wasser. Es ist die Königsetappe von Waren nach Mirow (40 km). Nach einigen Kilometern sind wir auf der Müritz. Da das Wasser ruhig ist, entscheiden wir uns für ein Überqueren des größten ganz in Deutschland gelegenen Binnengewässers. Nach einem verdienten Badespaß dann wieder ein kleiner Zwischenfall. Beim Trockenrudern, korrekt bekleidet nur mit Ruderfreundemütze, wird eine attraktive junge Frau im vorbeifahrenden Motorboot auf uns aufmerksam und lässt das Motorboot in geringem Abstand hinter unserem Vierer fahren, um ein Foto dieses zünftigen Männerensembles zu schießen. Wir machen ein verdientes Mittagspicknick am Badestrand Röbel. Nachmittags geht es weiter über die Müritz. Unter dem windabgewandten Ufer queren wir das Zähnerlank bei ansehnlichem Wellengang – ganz wichtig ist es nun, nicht nur hochzuscheren, sondern vor allem den alten Kronkorken auf das Bier zu setzen, damit es nicht voll Wasser läuft. Dann wird das Wasser ruhiger und wir gelangen in malerische Kanäle. Der landschaftliche Genuss kommt leider etwas kurz, da wir am Ende nochmal mit Druck fahren müssen, um rechtzeitig den letzten Schleusengang zu erreichen. Gegen acht Uhr kommen wir an unserer Übernachtungsstelle beim Ruderhaus in Mirow am Mirower See an. Hier hat sich, außer den Fliesen in der Dusche, nichts seit der Wende geändert. Einige bewundern noch das schöne Herrenhaus direkt nebenan. Es gibt leckeres Grillgut, leider recht spät, dafür „well done“, da sich eine Berliner Rudergruppe, dreist wie die Berliner nun mal sind, am Grill vordrängelt.

Zeltlager

Am nächsten Tag geht es weiter zum Ellbogensee, eine gemütliche Etappe von 26 km, die genug Zeit zum Baden lässt. Wir entscheiden uns, vormittags „durchzufahren“, zumal ein erfrischender Regenschauer die Luft etwas abkühlt: Zotzensee, Mössensee, Vilzsee. Etwas erschreckt sind wir über die dutzende Motorboote zählende Warteschlange vor der Schleuse Diemitz, daneben mehrere Kanus. Frechheit siegt, denken wir, und fahren erstmal an der Schlange vorbei. Martins musikalische Einlage trifft genau den Geschmack der jungen Kanutinnen und der auf der Schleuse stehenden Zuschauer. So verdienen wir uns einen ersten Platz im nächsten Schleusengang. Martin fachsimpelt gleich mit dem Schleusenmeister, worauf beim Schleusen alles geachtet werden müsse. Dieser Small Talk wird sich für uns noch positiv bezahlt machen. Unser zweites Boot passt leider nicht mit in die Schleuse. Beim nächsten Schleusengang wollen die Kanus vorfahren, doch der Schleusenmeister schmeißt alle Kanus, offenbar blutige Anfänger, wieder aus der Schleuse raus und lässt stattdessen unser zweites Ruderboot zuerst rein – dank der guten Vorlage von Martin. Mittagspause ist in der Fischerei Canow am Labussee, es gibt leckeren frischen Fisch. Nachmittags, vermutlich Tobis Regenjacke und Regenhose sei Dank, ist der Wettergott wieder ganz auf unser Seite und schenkt uns herrlichen Sonnenschein und tolle Badepausen auf dem Kleinen und Großen Pälitzsee – „Es ist ein Traum!“. Gegen Abend sind wir wieder auf den letzten Drücker am Campingplatz am Ellbogensee. Das einzige Lokal in der Nähe nimmt die Bestellung zum Abendessen telefonisch kurz vor 20 Uhr entgegen. Levke vom Landdienst hat alles mit dem Lokal tip top arrangiert. Um pünktlich zu sein, fährt Giovanni den VW Bus wie einen Ferrari, und schon bald sitzen wir im gemütlichen Gasthof „Haveleck“. Schweinesteaks mit Schmand und Fischgerichte sind ein Traum. Obwohl es Überlegungen gibt, bis zum Finalspiel der NBA gegen 3 Uhr zu bleiben und Dirkules die Daumen zu drücken, entscheiden wir uns für den noch anstehenden Programmpunkt „Duschparty“. Etwas irritiert stellen wir fest, dass es in der Dusche keine Steckdose für die Roland-Kaiser-Musik gibt, und hören sogar, dass Musik vom Band auf dem Naturzeltplatz verboten sei. Da es schon 21:52 Uhr ist, die Duschen aber nur bis 22 Uhr geöffnet sind, beginnt der erste Teil schon mit der Party. Endlich kommt auch Martin mit seiner Gitarre dazu, und wir stimmen erst mal „Sie hatte ganz ganz dicke dicke … Augenbrauen“ an – wir erfahren von Barbara und Levke später, dass man uns bis weit weg hören kann. Und leider soll ab 22 Uhr Nachtruhe herrschen. Daher kommt gegen 22:10 Uhr während des Refrains von „Joanna“ mit den Einrufen nach Peter Wackel der Hausmeister rein, und strahlt mit seiner Stabtaschenlampe erstmal Tobi ins Gesicht, der sich vom Hausmeister zunächst nicht stören lässt und noch „Du L…“ weitersingt. Wir bekommen die erste gelbe Karte. Der Hausi stellt das Wasser ab, dummerweise hat sich Martin gerade eingeseift. Basti, Felix und Tobi schäkern mit den Hausfrauen, die gerade ihren Abwasch machen und schildern die unglückliche Lage, in der sich Martin befindet. Prompt erhalten wir Hilfe und Martin eine Campingtüte voll warmem Wasser fürs Abduschen. Als Dankeschön singen wir, nur mit dünnem Handtuch um die Lenden bekleidet, den Damen einen Song von Grönemeier. Die Damen sind aus dem Häuschen über die sympathischen Ruderer, die mal etwas Abwechslung in den Spießerladen bringen – nicht ganz amused ist der Hausmeister, dem auch dieses Stück zu laut war und der uns nochmals abmahnt. Wir geloben Besserung, aber beim nächsten – und vorläufig letzten Lied – erscheint die Gattin des Hausmeisters und droht mit einem Verweis vom Gelände. Wir ziehen uns also erstmal an. Aber ehe die Gruppe sich am See komplett trifft, haben die dort wartenden bereits eine weitere Abmahnung erhalten. „Seid Ihr nicht die, die so laut im Sanitärbereich waren?“, doch Basti rettet uns Dank eines resoluten „Nein, mit denen sind wir nicht bekannt.“ Da das Eis immer dünner wird, entscheiden wir uns, für den geplanten musikalischen Abend das Gelände zu verlassen. Gut versorgt mit einem frischen Kasten suchen wir uns einen schönen Steg mit Blick auf den Zeltplatz – wie in einem Amphitheater allerdings auch mit einem ausgezeichneten akustischen Kontakt. Der Abend wird später und später, der Bierkasten immer leerer (bis auf einige Lübzer-Lemon), die Lieder wieder deutschsprachig und der Gesang immer lauter. Plötzlich ein heller Scheinwerfer. Wir entscheiden uns, kurz mal ruhig zu sein und uns hinter den Büschen zu verstecken. Felix lässt sich aber nicht nervös machen und sucht, wie auch auf dem halben nun anstehenden Rückweg, nach einer letzten Pilsflasche unter den restlichen Radlern. Als wir „Sie hatte ganz ganz dicke dicke …“ pfeifend auf den Zeltplatz zurückkehren, ahnen wir noch nicht, das einer der Camper die Polizei wegen Ruhestörung gerufen hatte. Ungeachtet dessen war es wohl eine gute Idee, die unbelastete Levke am nächsten Morgen zum Brötchenholen beim Hausmeister zu schicken…

Alte Lagerhäuser am Ufer

Dann geht es für die letzten 10 km aufs Wasser, während Marco und Malte netterweise den Fahrdienst übernommen haben und den Bus mit dem Anhänger holen. Seit dem Ellbogensee sind wir auf der Havel, die die kleineren Seen Ziernsee und Menowsee miteinander verbindet. Beim Schleusen an der Steinhavelmühle verirrt sich eine Zecke in Erics Bauchnabel. Zum Glück lag schon Levkes Erste-Hilfe-Ausrüstung samt Zeckenzange aus Chirurgenstahl und Desinfektionsmittel parat. Nachdem Leib und Leben gerettet worden waren, konnte das Schleusen beginnen und der wasserdichte Seesack mit den benutzten survival-tools auf seine Schwimmfähigkeit getestet werden. Da das Schleusen (ungeachtet der Not OP) über eine Stunde dauert und die Zeit schon recht weit fortgeschritten ist, einigen wir uns auf eine allerletzte ausgiebige Badepause auf dem Röblinsee und gehen dann in Fürstenberg an Land, wohin auch der Bus mit Hänger kommt. Nach dem Abriggern und Aufladen der Brote gibt es ein letztes Picknick. Insgesamt 108 km und vier wunderbare Tage liegen hinter uns. Der Abschied von dieser tollen Gruppe fällt allen schwer, dann geht es in die Busse, die individuell zurück nach Göttingen fahren. Abschließend sei ganz besonders Martin für Planung, Organisation und Leitung dieser wunderbaren Tour gedankt! Und ein großer Dank geht an die Wettkampfmannschaft, die die Boote vom IfL nach Wilhelmshausen gebracht hat und dort gereinigt und aufgeriggert hat. Dadurch konnten wir alle zwei Stunden früher erschöpft und glücklich zu Hause ins Bett fallen.