Ruderfreunde „Hände weg!“
Akademische Ruderriege an der Georg-August-Universität Göttingen e. V.

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6. Juli 2011

Ein Leserbrief zum Umstieg in die offene Klasse

(von Eric) Ich habe hier einmal meine eigenen Impressionen niedergeschrieben, wie ich den Umstieg von der Gig auf die offene Klasse so empfand. Vielleicht erfreut sich der eine oder andere Leser an meinen Eindrücken. Die Erfahrung, die ich in diesem Bericht schildere, sammelte ich auf der DHM in Bremen.

Der Werdersee, welcher auch Austragungsort der Bremer Regatta – Norddeutschlands größter Regatta – ist, war an diesem ersten Juliwochenende von allem Anderen als sommerlichem Wetter beschenkt worden. Der Wind fiel mit voller Wucht auf die Strecke, nur die Bahnen 5 und 6 waren durch die Vogelinsel und einen Deich etwas geschützt. Der Wellengang war wie auf See und der Wind kam von vorne! Er hob das Wasser und die Ruderblätter an. Unruhige Läufe mit teils argen Zwischenfällen waren die Folge. Die Regattastrecke war voll und ganz den Naturgewalten ausgeliefert. Die brodelnde Gischt peitschte gegen Boot und Ruderer, ein technisch sauberer Lauf sähe bei den meisten Uni-Teams wahrscheinlich anders aus! Insgesamt war die Regatta aber gut besucht und neben der Deutschen Hochschulmeisterschaft wurde auch die deutsche Meisterschaft der Masters ausgetragen. Trotz erhöhten organisatorischen Aufwands lief die Regatta gut organisiert über die Bühne und man merkte den Bremern ihre Routine hierbei an. Lediglich der Ansager über die Lautsprecher schien nicht immer ganz informiert zu sein.

Das Unicup-Team mit Stm. Bastian, Sebastian, Philipp, Eric und Andy am Hänger

Am Samstag bin ich in der Uni-Klasse gestartet. Einer geschützten Klasse für Studenten, die an der Uni das Rudern erlernt haben. Leider wurden wir nur Neunter von 16 Booten. In den Vorläufen haben wir uns direkt fürs Halbfinale qualifiziert, danach jedoch leider nicht fürs A-Finale. Auffällig war, dass die zwei windgeschützten Bahnen signifikant besser abschnitten – egal wer auf diesen Bahnen startete. In den Läufen wurden die einen oder anderen Krebse gefangen, unser Unicup-Frauen-Vierer hatte sogar Probleme mit dem Rollsitz. Das Beste aus der Sache machend kämpften sich aber alle Boote durch das unruhige Wasser. Insgesamt hatte ich mir mit unserem Unicup-Männer-Vierer ein wenig mehr erhofft; war unser Team doch ein im Vergleich zu den Vorjahren recht Gutes! Leider konnten wir unseren guten Vorlauf nicht auf das Halbfinale übertragen und mussten unseren letzten Lauf im B-Finale ausfahren.

Am Sonntag bin ich zum ersten Mal offen im Männer und Frauen gemischten Doppelvierer gestartet. Leider jedes Mal auf einer Bahn ganz außen. Der Wind hat uns im Vorlauf sogar in die andere Bahn rein gedrückt. Gleich zu Anfang hat unsere Schlagfrau Johanna einen Krebs gefangen und wir haben über fünf Schläge verloren! Wir haben uns noch einmal nach vorne gekämpft, blieben aber Letzter. Arg kämpften wir gegen Wasser- und Luftwiderstand und sogar gegen die Bahnbojen, die wir mal von Steuerbord, mal von Backbord überfuhren. Ich verfing mich einige Male durch starkes Hochscheren in meiner Kleidung. In unserem Boot kämpfte wirklich jeder in erster Linie mit seinem eigenen Schicksal und wir fanden weder so richtig zusammen, noch unsere eigene Bahn. Johanna kämpfte mit dem etwas unsanften Steuer unseres DDR-Vierers und ich achtete als Bugmann ein wenig zu viel auf unseren etwas kurvenreichen Lauf und gab mit Gebrüll Steuerhilfe. Ein wirklich unsanfter erster Lauf in der offenen Klasse, wie ich finde. Es war doch Kernig; einen solch bedeutenden Start hätte ich mir jedoch unter günstigeren Bedingungen gewünscht!

Johanna, Jonni, Steffi und Eric im alten Vierer "DDR" am Steg an der Regattastrecke

Nicht fürs Finale qualifiziert, kamen wir in den Hoffnungslauf. Im Vorlauf und im Hoffnungslauf qualifizieren sich jeweils die ersten beiden Boote fürs Finale. Ein Halbfinale gab es nicht, da weniger als 13 Boote gemeldet waren und ein Team abgemeldet hatte.

Unser zweites Boot schaffte es ins Finale (und wurde dort Dritter), wir wurden im Hoffnungslauf vorletzter. Das Team der Uni Rostock haben wir abgezogen, an einem zweiten Gegner aus Heidelberg hingen wir dran. Leider fielen wir jedoch bei 700 Metern zurück, als nach der Vogelinsel noch mal der Wind zusetzte. Zuvor waren wirklich brauchbare Schläge darunter und wir setzten uns auch vor den unmittelbar ersten Gegner; dem zweiten kamen wir näher. Sogar Dominik, den Schlagmann des anderen Göttinger Bootes konnte ich im Bug noch hören. Als der Wind jedoch nach der Vogelinsel noch mal zunahm war kein zweiter Zwischenspurt mehr drin, da leider etwas Unruhe ins Boot kam und wir den guten Lauf nicht auf die letzte Strecke übertragen konnten. Das Boot aus Heidelberg gewann wieder Raum. Wir fuhren als vorletzter ins Ziel und waren damit Achter von neun angetretenen Teams. Damit war für uns der zweite Renntag zu Ende.

Insgesamt kann ich sagen, dass die Wetterbedingungen echt beschissen waren. Ein unsanfter Start aus der Uni-Klasse heraus. Unser Boot saß zuvor lediglich einmal so zusammen und Johanna hatte noch nie zuvor im Rennen gesteuert. Auch sie hat mit mir zusammen ihr erstes offenes Rennen gehabt – mit dem Unterschied, dass sie zuvor beachtliche Erfolge während ihres Erasmusjahres im Glasgower Achter errungen hatte.

Hatte man noch im Uni-Rennen 500 Meter zu rudern, so war nun auf den 1000 Metern um einiges mehr Zeit und Raum für taktische Spielchen vorhanden. Man merkte hier deutlicher die Unterteilung in Start-, Mittelstrecke und Endspurt. Auf 500 Metern habe ich stets auf ganzer Strecke 100 Prozent an Leistung geben können. Auf den 1000 Metern war viel mehr Zeit, sich auf einen gemeinsamen Schlag, Zwischen-Spurts zu konzentrieren und sich einen offenen Kampf mit den Gegnern zu liefern.

Das Unicup-Team mit Philipp, Eric, Sebastian, und Andy am Steg

Mein Ziel war es, nicht Letzter zu werden, das haben wir als Team geschafft. Bei den nächsten Rennen werde ich nicht mehr im Uni-Cup starten können. Einerseits ist dies traurig – hier bestand mehr Hoffnung auf Erfolg. Andererseits bereue ich nichts, da auch die Unicup-Vierer mittlerweile unter hoher Konkurrenz mit unsinnig teurem Material ausgefahren werden. Auch die Gegner dort sind zum Teil häufiger auf dem Wasser und haben manchmal sogar die neuste Technik und sind alles andere als Anfänger – obwohl die Gig-Klasse ein geschützter Meldebereich der Anfänger ist. Die 500 Meter und diese breite Wanne in der man sitzt geben mir längst nicht die Freude, die ich im Rennboot empfinde. Auch im Training fahre ich in Rennbooten und mir persönlich bietet die Klasse der Rennboote mehr Anreiz.

Ich bin kein Anfänger mehr und suche mir den Reiz fortan in einer schwierigeren Klasse, ich denke aber, dass ich somit auch fortan die Möglichkeit auf einen hohen Lernerfolg gewährleisten kann. Hier bieten sich mir vielleicht weniger Erfolgserlebnisse – wenn ich den ehemaligen Junioren-Weltmeistern und Olympioniken oder auch nur Leistungsruderern, die vier Mal die Woche trainieren, hinterher fahre – dennoch gibt es andere Dinge im Sport die wichtig sind und wie man seinem Flow-Erleben hinterher jagt. Ich bin richtig heiß auf die nächsten Rennen! Auch wenn das Treppchen vielleicht noch weit entfernt ist und die Konkurrenz weit mehr trainieren kann, bin ich doch froh, mit fahren zu können! Dabei-sein rockt: Rudern ist der geilste Sport der Welt!