Ruderfreunde „Hände weg!“
Akademische Ruderriege an der Georg-August-Universität Göttingen e. V.

News

Wähle eine Sprungmarke, um zu anderen Beiträgen zu springen:

15. Mai 2014

Goldfahrt beim Wesermarathon

(von Dominik) Ruderfreunde auf der Suche nach der ultimativen Erschöpfung: Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben wir mit fünf Ruderern unserer Wettkampfmannschaft wieder am Wesermarathon Anfang Mai teilgenommen. Dabei sind wahlweise 53, 80 oder 135 Kilometer an einem Tag zurückzulegen – und wir haben natürlich gleich die längste Golddistanz von Hann. Münden nach Hameln in Angriff genommen.

Gekommen ist es dazu durch eine Verabredung im Rahmen einer bisher undokumentierten Weser-Tagesfahrt von Holzminden nach Hameln im Oktober vergangenen Jahres. Nach gut 50 Kilometern saßen wir damals in einem gemütlichen Biergarten an der Weser in Hameln und überlegten, was denn eigentlich so wirklich lange Ruderstrecken sein könnten. Schnell war die Idee auf dem Tisch, ein gutes halbes Jahr später den Wesermarathon zu rudern – eine der längsten Wassersportveranstaltungen in Deutschland. Mette, Solveig, Martin, Philipp und Dominik sagten zu.

Teamfoto früh morgens am Weser-Yacht-Club Münden

Viel Zeit zum trainieren also (die wir sehr unterschiedlich intensiv nutzten), und vielleicht auch zum Vergessen der ganzen Aktion. Dazu kam es aber glücklicherweise nicht, und am 4. Mai wurde es richtig ernst. Am Tag zuvor hatten wir bereits das Boot – den Gig-Doppelvierer „Stocherkahn“ mit extrasoften Wanderruderskulls – zum Startort am Weser-Yacht-Club Münden gebracht und reichlich Proviant eingekauft, so dass wir am Sonntag früh mit dem Sonnenaufgang loslegen konnten. Um 6:04 Uhr waren wir ruderbereit auf dem Wasser. Ein Facebookeintrag mit Teamfoto war da bereits gemacht, wir freuten uns auf motivierende Unterstützung.

Mittagspause mit Mette

Der erste Teil lief recht flüssig, wenngleich bei dichtem Nebel und ebenso dichtem Verkehr auf dem Fluß: die mehr als 1600 Teilnehmer mussten ja irgendwo bleiben. Glücklicherweise schirmte der Nebel auch ein wenig vor neugierigen Blicken beim (versuchten) Toilettengang im Boot ab, den wir so früh morgens noch wagten (später stiegen wir dazu aus). Überraschend bald war schließlich auch schon Bad Beverungen passiert, der Zielort für die Bronze-Strecke von 53 Kilometern. Fast 30% der Teilnehmer stiegen hier schon aus.

Teamfoto im Boot auf dem Wasser

Wir allerdings ruderten munter weiter und hatten unterwegs nun vermehrt mit „lutschenden“ Kanus zu tun, die uns offenbar aus Bequemlichkeitsgründen kilometerweit dicht im Fahrwasser folgten. Blasen an den Händen oder am Hintern waren zum Glück kein Problem bis hierher, auch das trockene Wetter spielte bei mittlerweile klarer Sicht und frischen Temperaturen einigermaßen mit. Schnell war auch der Silber-Ausstiegspunkt in Holzminden passiert (80 Kilometer, weitere gute 50% stiegen aus), und echte Erschöpfung war noch immer nicht zu spüren. Ist der Wesermarathon etwa doch nicht so hart?!

Blick aus dem Boot auf einem der unzähligen Kilometer

Nach einer 20-minütigen Essenspause ging es bald weiter auf das letzte Viertel der Tour. Unterdessen war es 15 Uhr, und sehr plötzlich war bei uns allen fünf der Akku ziemlich alle. So ab etwa Kilometer 100 ging kaum noch etwas vorwärts, und wir alle freuten uns auf die regelmäßigen 5 Kilometer auf dem Steuerplatz. Zu schaffen machte insbesondere auch der Umstand, dass die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme magenbedingt nicht mehr recht klappen wollte. Gleichzeitig merkten wir aber immer mehr, dass wir das Ziel wohl erreichen werden – Aufgeben war also keine Option mehr. Auch die dankenswerterweise von Philipp beschafften Schaumstoff-Sitzkissen kamen jetzt zum Einsatz. Und ein wenig erleichtert nahmen wir zur Kenntnis, dass auch alle weiteren noch im „Rennen“ befindlichen Teilnehmer offenbar ernsthaft erschöpft waren, und sich dem Ziel entgegen sehnten.

Mette und Solveig präsentieren den Wesermarathon-Turnbeutel

Den Kanu-Club Hameln erreichten wir dann etwa um 19 Uhr, nach 135 Kilometern und knapp 13 Stunden im Boot, sowie fast drei Stunden nach dem Eintreffen der schnellsten Mannschaft. Eine handvoll mehr Kilometer wären wahrscheinlich wirklich nicht mehr drin gewesen, so erschöpft fielen wir aus dem Vierer: abgesehen vom Zielort Hameln hatten wir gewissermaßen auch das Ziel erreicht, maximal weit zu rudern und dann noch ein bisschen weiter zu machen. Yay! Zum Lohn gabs vom Veranstalter als Teilnahmeprämie einen etwas seltsamen Turnbeutel und einen goldenen Wesermarathon-Sticker für jedes Teammitglied.

Teamfoto nach der Ankunft in Hameln am Kanu-Club

Philipp kutschierte uns dann noch mit Umweg über Wilhelmshausen zurück nach Göttingen. Einen aus Scheden stammenden, äußerst redefreudigen Ruderer konnten wir dabei mitnehmen, und als der fragte, ob wir im nächsten Jahr wieder da sind, antwortete die Erschöpfung in uns: „Um Gottes Willen nicht nochmal!“ Nach erstaunlich schneller Rekonvaleszenz binnen weniger Tage denkt der Autor dieser Zeilen allerdings mittlerweile ein wenig anders…

Ein paar Bilder gibts im Fotoalbum zum Wesermarathon!